Brainstorming zu einem Großprojekt

Mittelmaßmama mit riesigem KalenderMein Sohn wünscht sich einen Schnupper-Segelkurs. Was eine tolle Sache ist, wo die Jugend sonst bewegungslos am PC zu daddeln pflegt. Allerdings gibt es ein Problem, denn ohne Chauffeur auch kein Kurs im Nachbarkaff, jenseits aller öffentlichen Verkehrsmittel. „Nächste Woche geht es los!“, hat mein Sohn er-googelt. „Ab Mittwoch Nachmittag, 17:00 Uhr.“ Eine durchaus Berufs-, Familien- und Schul-freundliche Zeit. Nur mein Holder arbeitet bis sechs. Also konsultiere ich den Terminkalender. Passt nicht. Da hab ich Kontrolle beim Gynäkologen. Über Prioritäten lässt sich hier nicht streiten.

Vielleicht hätte an diesem Tag die Oma Zeit? Wann fährt sie nochmal nach Berlin?
Ich wühle in meinem Kalender, wo ich mir – für den Fall der Fälle – mittlerweile auch ihre Termine in hell grün notiere. Es spart viel Zeit und Mühe, zu wissen, wann man auf familiäre Hilfe zurückgreifen kann. Oma ist nicht da. Und schlimmer noch: Am zweiten Kurstag hat Töchterchen zur fraglichen Zeit einen Zahnarzt-Termin. Weil sie Zähne putzen hasst. Nun wird sie regelmäßig zur Kontrolle einbestellt, bis sie sich eines Besseren besinnt. Aus pädagogischen Gründen gibt es auch zu diesem Termin keine Diskussion.

Im Anschluss stehen ein paar Dienstreisen an. Womit wir in Sachen Segelkurs langsam Richtung Oktober driften. Söhnchen schluckt ein paar Tränen hinunter. Papa mag´s nicht glauben. „Zeig mir mal den Kalender!“, fordert er. „Gern doch!“, schnaufe ich. Soll er ruhig mal sehen, wie ich die Tage organisiere. Das fängt z.B. morgen an.

Ein aus mütterlicher Perspektive recht überschaubarer Tag: Nur zwei Meetings, Hausaufgaben, Gitarrenunterricht vom Sohn, Kindergeburtstagseinladung der Tochter reihen sich aneinander wie Perlen auf eine Schnur. Keine große Sache, da ich die Abgabe von meiner Lütten bei der Party vorverlegen konnte, und es somit locker zu Gitarre schaffe. Anschließend muss ich den Kindertransport nur rückwärts abwickeln, so dass wir pünktlich zur Schlafenszeit daheim sein werden. Bei Bedarf passt auf diese Kette sogar noch ein Kurzeinkauf. Nur zu viel darf es nicht werden, weil mir sonst der Faden reißt, was zu totalem Chaos führt. Einen ähnlichen Eindruck hat mein Mann gerade von meinem Zeit-Management.

Er sieht nicht nur Großmutter-Grün. Er sieht auch Rot; für Dringendes. Er sieht schwarz; für Normaltermine. Blau mache ich die Hobbys der Kinder; Textmarkergelb bei Ferien und Brückentage. Was Freunde anbelangt, z.B. Übernahme von deren Kindern bei wichtigen Terminen, geht es meistens Lila zu. Mein Holder hat eine Menge Fragezeichen vor Augen. Obendrein noch Streichungen, Ausrufezeichen, Sternchen, Pfeile. Oder kryptische Querverweise: „E Tel TiA T-WK“ steht bei Eintragungen, oder „KaNiGa“.„Was soll das heißen?“, fragt mich verwirrt mein Mann. „Erinnerung Telefonat Tierarzt wegen Termins Wurmkur Katze“, übersetze ich. „Und davor darf ich die `KatzeNichtIndenGartenLassen`, weil sie mir sonst entwischt.“ Mütter-Stenographie. Wenn es schnell gehen muss mit den Eintragungen. Oder wenn eigentlich kein Platz mehr ist. Mein Terminkalender sieht wie ein Schlachtplan aus, ein Brainstorming zu einen Großprojekt. Mein Mann riskiert einen letzten Blick.

„Wenn Du schon scheinbar das Zeit-Management einer Kleinstadt dirigierst“, fragt er dann, “warum steht meine Dienstreise von morgen auf übermorgen nicht drin?“ „Weil diese Dienstreise, mein Schatz“, lächele ich, „keinerlei Auswirkungen auf unsere Tagesplanung hat.“

Effizientes Zeit-Ma(ma)-nagement muss sich eben auf das Wesentliche konzentrieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *