Was die Organisation betrifft… muss ich leise stöhnen

Mittelmaßmama mit Fragezeichen in der Schultüte„Elternsorgen vor der Einschulung oft unbegründet“, so steht es in unserem örtlichen Käseblatt; gleich kursiv darunter „Tipps für eine erfolgreiche Einschulung“ Jetzt wird’s spannend denke ich und lese: „Kinder müssen zum Zeitpunkt der Einschulung nicht gleich reif sein.“ Klar. „Die Kinder sollen den Unterrichts-Inhalt, aber auch soziales Verhalten lernen.“ O.K. Was noch? „Die Eltern können ihre Kinder spielerisch auf die Schule vorbereiten.“ Schon erledigt. Aber jetzt, jetzt kommt es sicherlich! Denn der nächste Satz beginnt: „Was die Organisation betrifft…“ Als ich weiter lese, muss ich leise stöhnen. Denn was die Organisation betrifft, mögen wir Eltern uns bitte nach den Lehrern richten. Abhängig von deren Lehrprogramm könnten wir mit dem Nachwuchs zu hause üben. Der Artikel endet in meinen Augen, wie für mich die Schulzeit meiner Brut beginnt: Mit einem großen Fragezeichen.

Offen gestanden habe ich mir bereits als Kind 1 zur Schule kam nur wenig der genannten Sorgen gemacht. Erstens weil es unwahrscheinlich ist, dass man den Nachwuchs dort in den Backofen steckt. Zweitens, weil meine Kinder vollkommen durchschnittlich sind, was wenig Ausreißer erwarten lässt, nach oben wie nach unten. Und drittens, weil auch wir Eltern die Schule einstmals nicht nur unbeschadet sondern sogar gut überstanden haben. Überhaupt gibt es eine Menge Leute um uns herum, die alle miteinander Schule überlebten und: Die uns längst erzählten, wovon dieser Artikel schreibt. Was allerdings Mangelware im Familien- und Freundeskreis ist, sind Eltern, die aktuelle Tipps zur „Vereinbarkeit von Schule und Beruf“ für mich haben.

Sollte ich meine Eltern oder Schwiegereltern fragen, murmeln die Väter verlegen: „Frag lieber Mama…“ Die Mütter aber waren beide daheim: Die eine als Hausfrau. Die andere half im Betrieb des Mannes aus, der gleich am Wohnhaus angrenzend war. Dann gibt es da einige ältere Bekannte, die bereits Familie und Beruf praktizierten. Was meist so aussah, dass die Frauen vormittags 3 – 4 Stunden arbeiteten, um wieder daheim zu sein, wenn der Nachwuchs aus der Schule kam. In den Ferien wurden die Kinder im Kreise herum gereicht. Was, damit kommen wir in meiner Gegenwart an, mittlerweile kaum noch praktikabel ist.

Ich und meine Freundinnen, wir alle arbeiten mit unterschiedlichen Konzepten. Und uns alle beschäftigt die Frage: Wie kriege ich von nun an Ferien, meine Arbeit und die meines Mannes, Dienstreisen, Überstunden, Schulanfangszeiten, Hausaufgaben, Üben für Klassenarbeiten, Referate, Schulausflüge, den Bedarf von Kind 1, Kind 2 usw. etc. unter einen Hut? Noch dazu einen, der ziemlich steif sein kann, sofern unsere Arbeitgeber nicht familienfreundlich sind. Gibt es keinen Journalisten, der einmal die Perspektive der Eltern einnimmt, indem er von deren Sorgen rund um die Einschulung schreibt? Der mehr zu bieten hat als den Rat, dass Eltern sich rechtzeitig zur Einschulung Urlaub nehmen sollten?

Gott sei Dank gibt es mittlerweile jede Menge Blogs! Von Eltern für Eltern geschrieben. In ihnen kann man finden, was eine Zeitung in ihrem obligatorischem, etwas gelangweilten Artikel im Lokalteil unterschlägt: Erfahrungen und Tipps, die up-to-date sind. Man muss sie nur erst finden! Weshalb ich meine Kolumne für August mit einer GROSSEN Bitte beende.

Leserinnen aufgepasst: Schreibt doch bitte über Eure praktischen Tipps für Eltern in der Kommentarfunktion!
Eure Erfahrungen könnten für uns Eltern, die gerade in die „Grundstufe der Vereinbarkeit von Schule und Beruf“ eingeschult werden, genauso elementar sein, wie es für unsere Kinder die Schultüte ist!

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