Die Läuse Kolumne: Ein sympathisches Kerlchen, mit dem ich mich sonst gut verstand

Mittelmaßmama mit Handy und entsetztem BlickHaarig wurde es, als die SMS einging. Ich hatte gerade vor dem Spaßbad geparkt. „Wir haben Läuse!“, schrieb die Mutter der besten Freundin meiner Tochter. „PS: Es tut mir Leid“. „Na super!“, murmelte ich und kratze mich ausgiebig hinter dem Ohr. „Was ist“, begehrte der Nachwuchs zu wissen, während er fröhlich seine Schwimmbeutel schwang. „Programm-Änderung!“, erklärte ich. „Statt Plantschen geht’s zur Apotheke!“ Begleitet von lautem Geheul fuhr ich durch die Straßen. Auf der Suche nach effektivem Anti-Läusemittel. Gleichzeitig geplagt von der Frage, ab wann ich die Kinder wieder zur Schule schicken konnte?

Den Rest des Sams- und Sonntags verbrachte ich vor der Waschmaschine, mit dem Läusekamm und dem Durchtelefonieren aller Eltern, deren Kinder meinen Kindern in der letzten Zeit zu nahe gekommen waren. Wie freute ich mich auf Montag, mein Büro und den Kollegen, mit dem ich es teilte. Ein sympathisches Kerlchen, mit dem ich mich sonst gut verstand. Der allerdings diesmal nichts Besseres zu tun wusste, als auf meinen Bericht über das furchtbare Wochenende hin großzügig von den Qualitäten seiner Putzfrau zu schwärmen. Zweimal die Woche schrubbte sie alles lupenrein. „Richtig betrachtet sind Läuse sind doch nun wirklich eine Kleinigkeit!“, lachte er über seinen misslungenen Witz. „Dass Ihr Eltern Euch von Banalitäten des Alltages aber auch so aus der Bahn werfen lässt.“

Ich war kurz davor, ihm den Hals umzudrehen, da meldete sich mein Handy mit einer SMS. „Wir haben Madenwürmer! Laut Kinderarzt sehr ansteckend“, schrieb die Mutter des besten Freundes meines Sohnes. „PS: Es tut mir leid.“ Ich schluckte und fühlte mich einer Ohnmacht nahe, da stöhnte mein Kollege laut auf. „Oh nein, die haben die große Präsentation auf morgen vor-verlegt! Wie soll ich das nur gebacken kriegen?“ Diesmal war das Grinsen an mir.

Mittelmaßmama erfährt von Läusen„Du könntest ja mal Deine Putzfrau fragen?“, foppte ich. Wütend starrte er er mich an. „Wir könnten gegen ein paar Madenwürmer tauschen?“, lockte ich da und hielt ihm die SMS vor die Nase. Entschieden schüttelte er seinen Kopf. „Tschuldigung!“, schnüffelte er dann. „Schon in Ordnung“, antwortete ich. „Wenn wir uns dafür darauf einigen könnten, dass es nicht Banalitäten des Alltags sind, die uns Eltern aus der Bahn werfen, sondern dass es im Alltag von jedem von uns andere Kleinigkeiten gibt, die uns ins Schleudern bringen! Ein wenig mehr Verständnis! O.K.?“ Er nickte und lud mich zum Mittag-Essen ein. Dann half ich ihm bei seiner Präsentation.

Drei Tage später übernahm er willig meinen Kundentermin. Meine Kinder hatten mir ihren Magen-Darm-Infekt vererbt.

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