„Aufräumen können Sie, wenn die Kinder aus dem Haus sind“

Cordula NußbaumCordula Nußbaum ist Journalistin, Trainerin und Coach, verheiratet und selbst eine ZeitTeilmama: Bis zu 60 Stunden investiert sie derzeit wöchentlich in ihre Arbeit, hinzu kommen etwa 30 Stunden „qualitative“ Zeit für die Familie, je 5 Stunden für Ihren Mann und für sich selbst. Für die Betreuung der beiden 12 und 14 Jahre alten Kinder nimmt sie sich etwa 20 Wochenstunden Zeit – da werden etwa Hobbies unterstützt, das „Taxi Mama“ bewegt oder Schulaufgaben betreut. Hinzu kommen Kochen, Essen, Haushalt…

Die Redaktion von ZeitTeilmama hat nachgefragt, wie sie das alles schafft. Schließlich ist sie Expertin in Sachen Zeitmanagement – in Seminaren und in zahlreichen Büchern (z.B. „Organisieren Sie noch oder leben Sie schon?“ oder „Familienalltag locker im Griff“) gibt sie ihr Wissen an Stressgeplagte weiter.

ZeitTeilmama: Frau Nußbaum, Sie sind ja ein wahres Multitalent: Journalistin, Trainerin, Coach, zweifache Mutter, sicher auch Freundin, Nachbarin, Partnerin, Trösterin, Schlichterin, Party-Veranstalterin, Chauffeurin… und dann schreiben Sie auch noch einen Bestseller nach dem anderen. Wie schaffen Sie all das?

Cordula Nußbaum: Ich habe sehr viel Spaß an allem, was ich mache und das beflügelt. Zudem habe ich in den letzten Jahren zwei Dinge gelernt, die mir helfen, ein großes Pensum entspannt zu schaffen.

Erstens: Ich kann sehr schnell erkennen, was wirklich wichtig ist und lasse dann das andere weg. So verteile ich meine Zeit immer so, wie ich es gerade will. Stehen beispielsweise in der Schule wichtige Schulaufgaben oder Exen an, dann lerne ich gerne mit meinen Kindern – und reduziere meine Arbeitszeit oder lasse eben im Haushalt alles liegen, was geht. Dann machen wir am Wochenende eine Hau-Ruck-Aufräum-Aktion alle zusammen, sehen das dann auch gleich als „gemeinsame Zeit“ und unternehmen danach was.

Zweitens: Pausen machen. Ich sorge heute viel mehr als früher für kleine Auszeiten (lesen im Garten oder spielen mit den Kindern) und bleibe so in meiner Kraft. Den tatsächlich gilt die alte Regel: Erholt sind wir einfach schneller mit unseren Aufgaben und entspannter im Tun.

Manche ZeitTeilmamas navigieren – scheinbar – problemlos durchs Alltagschaos, während andere bestens organisiert und dennoch total ausgelaugt sind. Gibt es ein Patentrezept gegen Stress, das für alle berufstätigen Mütter gilt?

Ich glaube, dass es gerade der gelassene Umgang mit dem Chaos ist, der entspannt. Es ist ein völlig überzogener Anspruch, den viele Eltern an sich stellen, dass immer alles top-organisiert, top-aufgeräumt, top-gemacht sein „muss“. Und trotz schlafloser Nächte „müssen“ wir dann noch einen Kuchen backen.

Das Patentrezept heißt: Legen Sie die Messlatte besonders mit (kleinen) Kindern auf ein Maß, das die Dinge am Laufen hält, aber nicht mehr. Genießen Sie die Zeit mit Ihren Kindern – aufräumen können Sie, wenn sie aus dem Haus sind.

In Ihrem „kleinen Alltagscoach“ raten Sie gestressten Müttern, öfters mal Nein zu sagen. Das ist leichter gesagt als getan. Wie gelingt es Ihnen, sich mit Neinsagen Freiräume zu schaffen?

(lacht) Das gelingt auch mir nicht immer, denn besonders als hilfsbereiter Mensch sagen wir ja schneller „ja“ als uns gut tut. Wozu ich aber konsequent „nein“ sage, das sind so diese „man muss´s“ in unserem Alltag. Mein Mann und ich fragen uns bei vielen Aktivitäten: „Müssen wir da wirklich hin?“ Und wenn wir feststellen, dass wir im Grunde nicht wollen, dann sagen wir nein. Natürlich haben wir Verpflichtungen, wo das nicht geht. Aber wenn wir uns auf diese Weise einige Stunden pro Woche freihalten können, dann ist das super.

Wie wichtig sind Rituale im Familienalltag?

Rituale geben halt und Sicherheit, sie erleichtern das Zusammenleben. Wenn alle wissen, Mama geht am Mittwochabend zum Sport, dann können sich alle darauf einstellen und es geht leichter zu organisieren. Besonders Kinder lieben Rituale. Schauen Sie also, wo Ihnen Rituale das Leben leichter machen können – und bewahren Sie sich daneben Ihre Flexibilität. Denn es soll ja nicht in ein Routinen-Korsett ausarten.

Frauen wird in unserer schnelllebigen Gesellschaft viel abverlangt. Gerade berufstätige Mütter hadern ständig mit dem schlechten Gewissen, zu wenig Zeit für die Familie zu haben. Haben wir unser Gefühl für Zeitqualität verloren?

Zum einen ja, denn was heißt denn beispielsweise „Quality-Time“. Meine Kinder gehen gerne mit mir zum Einkaufen – und wir sehen es als gemeinsame Zeit, in der wir miteinander plaudern können. Eltern, die Einkaufen nur als „Verpflichtung“ sehen, wo jetzt auch noch die nörgeligen Kinder mitgeschleppt werden müssen, haben alleine durch ihre Einstellung zum Einkaufen schon Stress. Das wichtigste allerdings ist, dass wir Eltern uns lösen, von dem was „man“ tun muss und mehr ein Gespür dafür entwickeln, was uns und unseren Lieben gut tut. Sorgen Sie auch für sich selbst – und seien Sie ein Vorbild für Ihre Kinder.

Ziehen Sie sich hin und wieder in eine „Oase zum Krafttanken“ zurück oder streuen Sie regelmäßig Auszeiten für sich in Ihren Alltag ein?

Ja, sehr häufig. Und da reichen schon 30 Minuten in der Hängematte und lesen, um meine Oase zu haben. Ansonsten gehe ich zum Sport, zur Massage, in die Sauna oder auch mit der Familie raus in die Natur. Das ist dann Krafttanken pur.

Ihr Tipp, als ZeitTeilmama beiden Rollen – „Mutter sein“ und „Frau bleiben“ – gerecht zu werden.

Achten Sie zunächst auf IHRE Bedürfnisse, dann auf die der anderen. Entspannte Eltern haben entspannte Kinder. Also relax!

Hier geht’s zum Schnellcheck „Chaot oder Systematiker“ von Cordula Nußbaum mit Zeitmanagement-Tipps.

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4 Anmerkungen zu “„Aufräumen können Sie, wenn die Kinder aus dem Haus sind“

  1. Wunderbar, die erste Sequenz Entspannung tritt gleich schon beim Lesen der Tipps ein. Danke dafür.

    Mit und ohne Kinder ist Mut zur Lücke oft ein guter Weg. Wenn ich keine Lust oder Energie habe, aufzuräumen, dann habe ich halt keine. Und schwupp ist sie wieder da und ich sause wie ein Derwisch durchs Haus und räume auf.

  2. Was für ein großartiges Interview. Und die Headline alleine reicht eigentlich schon! Klasse. Ich lasse einiges im Haushalt liegen, seitdem mein Business an Fahrt aufgenommen hat. Und es ist nicht schlimm :-) . Meinen Kindern ist sowieso egal, ob aufgeräumt ist, oder nicht.

    Herzlichen Dank und sonnige Grüße
    Melanie Mittermaier

  3. Pingback: Zeit mit den Kindern verbringen - mal anders - Tipps für den Familienalltag

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