“Ihre” Hebamme finden: Hilfreiche Tipps zur Hebammensuche

Hebamme Marlies GreinDie Schwangerschaft ist für die meisten Frauen eine sehr emotionale Zeit. Auch wenn es schon das zweite oder dritte Kind ist, ist man doch oft verunsichert, ob denn auch alles in Ordnung ist. Eine Hebamme kann bereits während dieser Zeit wertvolle Unterstützung und Halt geben.

Für die Suche nach einer passenden Hebamme sollten Sie sich jedoch genug Zeit nehmen. Wenn die Chemie nicht stimmt, werden Sie wahrscheinlich auch mit der Betreuung nicht zufrieden sein.  Doch worauf sollten Sie genau achten? Welche Fragen sollten Sie der potentiellen Hebamme stellen? Welche Leistungen bieten Hebammen überhaupt an? Lesen Sie weiter um zu erfahren, welche Ratschläge Marlies Grein (Hebamme) dazu hat…

Marlies, zunächst einmal vielen Dank, dass Sie den babynatur.de Leserinnen heute mit Hebammenrat zur Seite stehen. Sie sind ja keine „gewöhnliche“ Hebamme. Sie betreiben eine Internetseite zum Thema Schwangerschaft, Geburt, Babyzeit und Kinderjahre…

…ja – aber eine, die anders ist. Denn hier steht kein Windelhersteller und keine Elternzeitschrift im Hintergrund, sondern ich:

Eine Hebamme, die seit über dreißig Jahren Schwangere und junge Familien begleitet. Dabei Erfahrungen gesammelt hat, die nicht in jedem Schwangerschaftsratgeber stehen – und gerade deshalb wertvoll sind. Mein Anliegen ist dabei, nicht bei einem rein medizinischen Blick auf Kinderkriegen und Kinderhaben stehen zu bleiben, sondern den ganzen Menschen zu sehen. Dazu gehört auch, dass ich in manchen Fällen die traditionelle medizinische Lehrmeinung kritisch hinterfrage. Trotzdem können Sie sich sicher sein: Jede einzelne Information hier auf dieser Seite ist nicht nur nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt, sondern auch fachlich abgesichert.

Kommen wir zum eigentlichen Thema unseres Gesprächs: Die Hebammensuche. Es gibt ja in Deutschland zum einen Beleghebammen, die man sich vor der Geburt aussuchen kann und die dann mit in die Klinik kommen oder Hausgeburten betreuen. Die angestellten Klinikhebammen sind zu festen Zeiten vor Ort. Viele Frauen möchten gerne ein Beleghebamme mitnehmen sind während der Schwangerschaft jedoch verunsichert und wissen nicht an welche Hebamme sie sich wenden sollen. Haben Sie Tipps, wie man die „richtige“ Hebamme findet?

Es gibt keine Standards, nach denen man richten kann. Dazu sind die Erwartungen  der einzelnen Frauen viel zu unterschiedlich. Hat man schon am Telefon Bedenken, sollte man besser erst gar keinen Termin ausmachen.

Gegenseitige Sympathie ist die erste Voraussetzung. Haben die Frauen Vorbehalte und Zweifel, werden Sie der Hebamme in der Betreuung nicht vertrauen. Kleinere Meinungsverschiedenheiten lassen sich fast immer ausräumen, grundsätzlich andere Standpunkte eher nicht.

Bekommt man das erste Baby, hat man oft wenig Ahnung, was wirklich wichtig sein kann. Jede Frau sollte sich Gedanken machen und ihre Wünsche aufschreiben. Ganz gleich ob sie zu erfüllen sein werden oder nicht. Danach ist zu überlegen, welche “Dienste” in Anspruch genommen werden wollen.

Soll die Hebamme
… die Schwangerschaft begleiten und /oder auch die Vorsorge übernehmen?
…Geburtsvorbereitung anbieten?
…die Frau bei der Geburt betreuen?
…sich mit dem Stillen und mit Milch aus der Flasche auskennen?
…sind Ihnen z.B. auch diverse Kurse nach der Geburt wichtig?

Und dann werden Sie telefonieren und herumfragen müssen.

Worauf sollte man denn beim ersten Telefonkontakt mit der Hebamme achten?

Ohne Anrufbeantworter und/ oder Mailbox kann kaum eine freiberufliche Hebamme mehr leben.  Hier sollte man unbedingt eine Nachricht hinterlassen. Der Zeitraum ihrer Rückmeldung lässt durchaus Schlüsse über ihre allgemeine Erreichbarkeit zu.

Kolleginnen die Hausgeburten anbieten oder im Geburtshaus arbeiten, brauchen manchmal etwas länger, aber ungefähr innerhalb eines Tages sollten Sie etwas von ihr hören.

Können Sie uns so etwas wie eine kleine Checkliste für das erste Gespräch geben?

Ja natürlich, es gibt einige Fragen, die man unbedingt abklären sollte:

  • Bringt die Hebamme genug Zeit mit für ein erstes Gespräch?
  • Welche Erfahrungen hat sie in den verschiedenen Bereichen? Hier kommt es sehr darauf an, welche Schwerpunkte Sie ganz persönlich setzen.
  • Bietet sie Naturheilkunde an? (falls von Ihnen gewünscht) Wenn ja was? Kräuterheilkunde, Akupunktur, Aromatherapie, Homöopathie? Oder welche Richtung Ihnen auch immer wichtig erscheint.
  • Sie sollten unbedingt nach Erfahrung mit Stillproblemen fragen.
  • Welche Kurse laufen, und wie sind sie organisiert und belegt?
  • Fragen Sie wie sie die erweiterte Betreuung in der Stillzeit handhabt. Ist sie bereit, auch dann noch weitere Hausbesuche zu machen?
  • Welchen Eindruck haben Sie? Stimmt die Chemie?
  • Bezieht Sie Ihren Partner ein (wenn er will)?
  • Möchten Sie nicht stillen, kennt sie sich mit Flaschennahrung aus?
  • Kann sie einen guten Kinderarzt empfehlen?
  • Welche Krankenhäuser in der Umgebung kennt sie? Welches würde sie bevorzugen?

Sie sehen, es ist eine kleine Auswahl und als Anregung für Sie gedacht.

In unserem Beruf kann es natürlich vorkommen, dass Termine verschoben werden müssen.  Schauen Sie darauf, wie die Kollegin es macht, und auch in welchem Zeitfenster sie die Verabredungen einhält. Wir kommen nicht immer sehr pünktlich, aber Sie sollten zumindest informiert werden.

Hebammen bieten ja genau wie Frauenärzte Vorsorgeuntersuchungen schon während der Schwangerschaft an. Was ist im Vergleich zum Arzt bei der Hebamme anders?

Die Hebamme hat die Möglichkeit in der Schwangerschaft zusätzliche Besuche zu machen um Fragen zu beantworten, Schwangerschafsbeschwerden zu lindern oder Ihnen einfach zuzuhören. Sie hat in der Regel mehr Zeit und vor allem mehr Erfahrung in der Begleitung der physischen, aber auch der psychischen Probleme einer schwangeren Frau.

Sie kann selbstverständlich die komplette Vorsorge übernehmen. In diesem Fall sind dann die vorgesehenen Ultraschalle von Ihrem Arzt durchzuführen. Wir sind nicht an die ärztlichen Mutterschaftsrichtlinen gebunden. Allerdings natürlich verpflichtet, die Schwangeren bei Auffälligkeiten an Ihre Arztpraxis oder ein Krankenhaus zu überweisen. Um nichts zu übersehen, werden von uns alle Untersuchungen gemacht, die wichtig sind.

Auch ist die Hebamme oftmals bei Alternativbehandlungen wie der Naturheilkunde gut bewandert, z.B. bei Übelkeit und vielen anderen Problemen. Es existieren diverse Methoden, und jede von uns hat so ihre Vorlieben, von denen die Frauen profitieren können. Manchmal reicht vielleicht ein telefonischer Rat schon aus, manchmal ist der persönliche Kontakt und die Zwischenmenschlichkeit wichtig.

Wir sind medizinisch ausgebildet, und zu diversen Fortbildungen verpflichtet.  Nicht nur um verschiedene Therapien anbieten zu können, sondern weil dieser Beruf immer wieder Neues  zu bieten hat.

Werden die Kosten von der Krankenkasse übernommen, oder muss man die selber tragen?

Die Kosten für unsere Leistungen übernimmt tatsächlich jede gesetzliche Krankenkasse. Ist man privat versichert, fragt man besser vorher nach. Aber auch da gibt es in der Regel keine Probleme. Eine Praxisgebühr wird nicht erhoben.

Ist bei der Geburt im Krankenhaus eigentlich immer eine Hebamme anwesend, oder betreuen das Ärzte?

In Deutschland muss bei jeder Geburt, bis hin zum Kaiserschnitt, eine Hebamme anwesend sein. Eine Anwesenheitspflicht von Ärzten gibt es dagegen nicht. Natürlich stehen sie in den Kliniken zur Verfügung.

Wenn ich keine Beleghebamme ausgesucht habe oder die gewählte Klinik kein Belegsystem hat, welche Hebamme betreut mich dann, wenn es „soweit ist“?

Wenn alles normal abläuft, ist immer die anwesende Kollegin Ihre “zuständige” Ansprechpartnerin. Sie spielt eine große Rolle bei jeder Entbindung, und hat einen wesentlichen Einfluss auf Ihr Geburtserlebnis. In den meisten Krankenhäusern, kann man sich die Diensthabende im Kreißsaal nicht aussuchen.

In welcher Form sind Hebammen nach der Entbindung da?

Nach der Entbindung gibt es viele Möglichkeiten, uns zu beanspruchen. Bekannt ist den meisten Paaren die sogenannte Nachsorge in Form von Hausbesuchen nach der Geburt.

Wir helfen bei den alltäglichen “Anlaufschwierigkeiten”, beantworten Fragen zur Nabel- und Babypflege, zum Stillen, Ihrer Ernährung, Flaschennahrung, Babyblues, und, und, und…

So profitieren Sie von den Erfahrungen Ihrer Hebamme und erhalten viele praktische Hilfestellungen und wertvolle, fundierte Ratschläge. Viele Schwangere und junge Mütter empfinden die Hebamme als wichtigen Halt während der Schwangerschaft, Geburt und der Zeit danach, die emotionales Neuland ist. Wir kontrollieren den Rückbildungsverlauf der Gebärmutter, den Wochenfluss und die Wundheilung bei Ihnen. Wir helfen, wenn dabei Störungen auftauchen, behandeln Milchstaus, Brustentzündungen, wunde Brustwarzen, Babys Bauchschmerzen und das Nervenkostüm der Eltern.

Stillen Sie, steht Ihnen unsere fachliche Betreuung nicht nur ein paar Wochen, sondern bis zum Ende der Stillzeit zu. Vielleicht benötigen Sie unsere Hilfe beispielsweise noch, wenn Stillprobleme auftauchen sollten. Füttern Sie mit der Flasche, beschränkt sich die Hebammenhilfe auf die ersten acht Wochen nach der Geburt. Das alles zahlt wirklich die Krankenkasse! Außerdem übernimmt sie ebenfalls die Kosten für die Rückbildungsgymnastik.

Erzählen Sie uns noch ein wenig über Ihre Arbeit?

Ich bemühe mich sehr, Sie auf meiner Webseite möglichst umfassend über die Bandbreite unserer Tätigkeit zu informieren, aber sicher ist sicher…  Sollte es noch Fragen geben, können Sie die im Forum stellen. Hier treffen Sie auch andere Mütter und Familien zum Erfahrungsaustausch. Außerdem stehen Expertinnen für verschiedene Themen mit Rat zur Seite.

Darüber hinaus biete ich auch telefonisch oder per E-Mail individuelle Beratung an. Nicht jede Frage möchte man ja mit anderen im Forum teilen. Dieser Service ist dann allerdings kostenpflichtig jedoch absolut „bezahlbar“.

Vielen Dank Marlies für das aufschlussreiche Interview!

Das Interview führte Anne Herzberger (Redakteurin von babynatur.de) Die Webseite von Marlies Grein finden Sie unter Hebamme4u.net. Auf der Startseite finden Sie auch den Einstieg ins Forum. Ein Besuch lohnt sich sicher.

 

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