Brainstorming zu einem Großprojekt

Mittelmaßmama mit riesigem KalenderMein Sohn wünscht sich einen Schnupper-Segelkurs. Was eine tolle Sache ist, wo die Jugend sonst bewegungslos am PC zu daddeln pflegt. Allerdings gibt es ein Problem, denn ohne Chauffeur auch kein Kurs im Nachbarkaff, jenseits aller öffentlichen Verkehrsmittel. „Nächste Woche geht es los!“, hat mein Sohn er-googelt. „Ab Mittwoch Nachmittag, 17:00 Uhr.“ Eine durchaus Berufs-, Familien- und Schul-freundliche Zeit. Nur mein Holder arbeitet bis sechs. Also konsultiere ich den Terminkalender. Passt nicht. Da hab ich Kontrolle beim Gynäkologen. Über Prioritäten lässt sich hier nicht streiten.

Was die Organisation betrifft… muss ich leise stöhnen

Mittelmaßmama mit Fragezeichen in der Schultüte„Elternsorgen vor der Einschulung oft unbegründet“, so steht es in unserem örtlichen Käseblatt; gleich kursiv darunter „Tipps für eine erfolgreiche Einschulung“ Jetzt wird’s spannend denke ich und lese: „Kinder müssen zum Zeitpunkt der Einschulung nicht gleich reif sein.“ Klar. „Die Kinder sollen den Unterrichts-Inhalt, aber auch soziales Verhalten lernen.“ O.K. Was noch? „Die Eltern können ihre Kinder spielerisch auf die Schule vorbereiten.“ Schon erledigt. Aber jetzt, jetzt kommt es sicherlich! Denn der nächste Satz beginnt: „Was die Organisation betrifft…“ Als ich weiter lese, muss ich leise stöhnen. Denn was die Organisation betrifft, mögen wir Eltern uns bitte nach den Lehrern richten. Abhängig von deren Lehrprogramm könnten wir mit dem Nachwuchs zu hause üben. Der Artikel endet in meinen Augen, wie für mich die Schulzeit meiner Brut beginnt: Mit einem großen Fragezeichen.

Mir reicht es – ich brülle

Mittelmaßmama kuschelt mit Kindern CartoonEs donnert und kracht. „Idiotin!“ schreit mein Sohn mich an. Dann rast er Tür knallend in sein Zimmer. Wütend reiße ich sie wieder auf. „Überlegt Dir, was Du sagst!“, herrsche ich ihn an. „Diese Idiotin arbeitet zusammen mit Eurem Papa hart dafür, dass jeder von Euch ein eigenes Zimmer hat. Dass Ihr Weihnachts- und Geburtstagsgeschenke bekommt. Dass leckeres Essen auf dem Tisch steht. Dass wir ein geordnetes Familienleben führen. Ich habe dafür nichts weiter von Dir erwartet, als dass Du und Schwesterchen Euch wascht und Eure Schlafanzüge anzieht, damit ich mich 10 Minuten auf dem Sofa ausruhen kann. Stattdessen schlagt Ihr Euch lautstark die Köpfe ein.“ Mein Sohn sieht mich verzweifelt an. Tränen rinnen über seine Wangen. Ein Anblick, der mir das Herz zerreißt. Gleichzeitig tobt in mir die Wut. „Was bleibt mir anderes übrig, als dazwischen zu gehen? Mir reicht es!“, brülle ich. „Ihr seid eine verwöhnte Brut!“

Eines haben der Direktor, die Stadt, all die Politiker nicht bedacht

Zwei Jahre habe ich im Elternhimmel gelebt. Ich hatte einen Hortplatz für meine Brut. Zwar zahlte ich einen hohen Preis, nämlich den größten Teil meines Teilzeitgehaltes. Aber Mama kann nun mal nicht alles haben: Qualifizierte Kinderbetreuung, Rentenansprüche UND Kohle in der Kasse. Dann, eines Tages, kommt dieser Brief. „Wir werden Ganztagsschule!“, schreib der Schuldirektor hocherfreut. Hurra?

Muttertag

Muttertag_Cartoon_MittelmaßmamaMan kann mit Fug und Recht behaupten, dass der Erfinder des Muttertages eine große Fan-Gemeinde hat! Nehmen wir zum Beispiel meine Brut, die mir den Zutritt zum Kinderzimmer verbietet, weil sie voller Freude eine Überraschung basteln will. Verständnisvoll lächele ich dazu. Danach erbitte ich früheren Feierabend vom Chef, um in der Zeit, da der Nachwuchs noch in der Schule steckt, mühselig und heimlich zugleich wenigstens die gröbsten Kleberreste aus dem Kinderzimmerteppich zu pulen.

Auch mein Holder hält den Muttertag für eine tolle Idee, zu deren Anlass er Mama groß ausführen will. „Bratkartoffeln können wir schließlich selbst!“, findet er. Also reserviert er ein vier Gänge-Menü im pieckfeinen Restaurant. Und ich schmeiße Waschmaschine und Bügeleisen an, damit man uns in Schlips, Kragen und kleinem Schwarzen überhaupt Einlass gewährt.